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PostDateIcon 08.02.2011 | Drucken | E-Mail

Floriani 2011 von LFKurDr.  Anno Schulte Herbrüggen

Liebe Kameraden, liebe Pfarrgemeinde,

für mich ist es etwas ganz besonderes, heute bei unserer Floriani-Messe mit euch nicht nur wie gewohnt in unserer Feuerwehrhalle zusammen zu sein, sondern in unserer Pfarrkirche. Allein dieser Ortswechsel sagt schon viel aus.
Wir sind heute hier, weil wir unsere Arbeit als Feuerwehrleute bewusst einmal nicht aus der gewohnten Perspektive betrachten wollen, sondern aus einem anderen Blickwinkel.
Wenn ich das heutige Emmausevangelium höre und gleichzeitig an dieses erste Halbjahr von uns miteinander zurückdenke, dann gibt es einen Einsatz, der uns wie ein Schlüssel neue Blickwinkel auf unser Tun eröffnet. Vermutlich ahnt ihr schon, von welchem Einsatz ich spreche: es ist der Verkehrsunfall zwischen Tassenbach und Kartitsch am Sonntag nach meinem Einstand. Für viele von uns bleibt er in Erinnerung nicht nur als selten schwieriger, sondern zusätzlich zunächst auch als ausgesprochen belastender Einsatz.
Wie gescheit war es, dass wir uns am Abend des nächsten Tages im Kameradschaftsraum getroffen haben, um miteinander über das Erlebte zu reden. Von nichts anderem berichtet heute auch das Evangelium. Die beiden Jünger, die da niedergeschlagen auf dem Weg sind, reden miteinander über alles. Und da einer ist bei ihnen, der ihr Gespräch sogar noch fördert und erst so richtig in Gang bringt. Sie merken: das tut jetzt aber gut.
Aber es passiert noch viel mehr: Während sie reden, verändert sich etwas in ihnen, zunächst leise und unmerklich; erst im Rückblick wird ihnen bewusst, wie entscheidend und tiefgreifend diese Veränderung in ihnen ist. Und wie heilsam. Schritt für Schritt gewannen sie einen neuen Blickwinkel des Ganzen. Und statt dem ersten Impuls zu folgen „Das nie mehr! Nur weg von hier! Nur raus aus Jerusalem!“ und davonzurennen, kehren sie am Ende wieder genau nach Jerusalem zurück. In unserer Sprache würde man sagen: sie waren wieder voll einsatzbereit, ja vielleicht sogar gestärkt einsatzfähig.
Emaus ist nicht weit weg. In solchen Momenten merken wir das. Emaus kann mitten unter uns sein. Hier in Sillian. In unserer Feuerwehr. Und auch anderswo. Das ist vielleicht das erste, was uns Gott heute bei unserer Florianimesse mitgeben will.
Doch erlaubt mir noch einen zweiten Gedanken. Denn wenn ich ehrlich bin, berührt er mich sogar noch mehr als der erste.
Für uns, die wir da bei diesem Unfall im Einsatz waren, heißt der Blickwinkel zuerst doch einmal: Einsatz so gut es ging abgearbeitet! Alles, was in unserer Macht steht, mit größtmöglicher Umsicht eingesetzet!
Doch das ist nicht der einzige Blickwinkel. Ihr wisst, dass mich seit dem Unfalltag eine freundschaftliche Beziehung mit der Familie Gasser verbindet. Und aus deren Blickwinkel hört sich unser Einsatz anders an. Wenn die Hanna an ihre Rettung denkt, dann kann sie gar nicht anders, als Gott für ihre Rettung zu danken.
Und genau hier, denke ich, setzt der zweite, überraschende und entscheidende Wechsel des Blickwinkels an. Was wir tun, ist nicht nur unser Tun, sondern da tut ein anderer durch uns, und mit uns. Gott sei Dank. Gott selber rettet durch uns, und mit uns. Als Feuerwehrleute ist es uns geschenkt, immer wieder in diesen durchsichtigen Grenzbereich auf Gott hin einzutreten, und darin mit zu wirken. Wer diesen Blickwinkel einmal gewonnen hat, kehrt nach einem gelungenen Einsatz nicht mit stolzgeschwollener Brust heim, sondern mit großer Dankbarkeit und Demut.
Wißt’s, liebe Kameraden, in der Begleitung des Einsatzes nach dem Hubschrauberabsturz am Achensee waren es genau die zentralen Einsatzleiter der beteiligten Rettungsorganisationen, die mir gegenüber diesen Blickwinkel von sich aus ganz deutlich angesprochen haben. Wenn wir alles geben, dann haben wir dennoch nichts in unserer Hand, sondern da tut ein ganz anderer mit uns, und durch uns. Als Feuerwehrleuten ist es uns geschenkt, immer wieder in diesen durchsichtigen Grenzbereich eintreten zu dürfen, und damit hautnah Gottes Einsatz für uns Menschen und seinen Willen, Leben zu retten, zu erfahren.
Das, liebe Freunde, glaub ich ist der zweite wesentliche Gedanke, den Gott uns bei der heurigen Florianimesse mitgeben will.

 


Floriani 2007 (Anno Schulte - Herbrüggen)

 

Liebe Feuerwehrkameraden, liebe Pfarrgemeinde,

Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe.

Die ersten beiden Sätze des heutigen Evangeliums. Zwei Sätze, die dem Wesen des Feuerwehrmannes wie auf den Leib geschnitten sind.
Wer von uns weiß schon was ihn erwartet, wenn der Pieps geht oder die Sirene heult? Wer von uns weiß schon was ihn erwartet, wenn er mit Blaulicht im Fahrzeug zum Einsatzort eilt? Da wird es wohl keinen geben, den solche Momente kalt lassen! Da steigt bei jedem der Puls!
Und was wir dann leider so manches Mal am Einsatzort sehen, hinterlässt tiefe Spuren. Es gibt Einsätze, die liegen schon Jahre, ja Jahrzehnte zurück; und doch: wenn ich einen von euch davon erzählen höre, dann ist heute noch spürbar, wie tief euch das gegangen ist. V.a tödliche Unfälle von jungen Menschen.
Wer es schafft, in solchen Momenten mit kühlem Kopf und ruhiger Hand seinen Dienst zu machen, ist eh schon perfekt. Aber sobald du dann zurück bist, dann geht’s los. Und da wär einer, mit dem man offen reden kann, schon gut.
Ja, liebe Kameraden, liebe Pfarrgemeinde, Dank der guten Ausbildung und der modernen Technik ist es Gott sei Dank nur ganz selten, dass einer von uns im Einsatz sein Leben verliert. Aber ein Stück unseres Lebens, ein Stück unseres Inneren, das kann ein Einsatz schon kosten. Und jeder von uns ist dazu bereit.

„Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben hingibt für seine Freunde“ – sagt Jesus an einer anderen Stelle. Für diese Bereitschaft, für diesen Einsatz, für diese Hingabe danken wir euch allen von Herzen, liebe Kameraden. Auch das ist eine Form, um von Jesus Zeugnis zu geben. Sowohl für uns als Pfarre wie für euch als Feuerwehrmänner ist es gut, sich daran heute zu erinnern.

Dieses Jahr seit dem letzten Florianifest ist von einem großen Einsatz geprägt: dem Katastropheneinsatz im August. Wem das Wasser buchstäblich bis zum Hals steht, wer alles verliert, der wird den Einsatz der Helfer, auch von euch Feuerwehrmännern nie vergessen. Erst wenn es einen selber hautnah trifft, kann man das Gefühl der Dankbarkeit erleben, wenn ihr auftaucht. Das hab ich selber nicht zuletzt bei dem kleinen Brand im Zammer Widum gesehen. Um jeden einzelnen, der da ist und hilft, bist du dem Himmel dankbar.
Liebe Kameraden, wie oft war aber noch ein ganz anderer im vergangenen Jahr auch mit an unserer Seite, gleich ob Daheim, im Beruf oder eben im Feuerwehreinsatz. Wie oft war ein ganz anderer an unserer Seite und mit von der Partie. Und hat seine Hand über uns gehalten. Ihm möchten wir Feuerwehreler heute von ganzem Herzen danken. Mit der gleichen Dankbarkeit, mit dem uns jene Opfer danken, denen wir geholfen haben. Denn es ist wahr:
Jesus ist der gute Hirte. Er gibt sein Leben hin – auch für dich.
Der letzte und größte Dank gehört also dir, Jesus. Danke!.


Floriani 2008 (Anno Schulte - Herbrüggen)

Liebe Florianijünger, liebe Kameraden, liebe Pfarrgemeinde,

es ist mehr als eine gute Tradition, einmal im Jahr Florianimesse zu feiern. Als ich letztes Jahr im Sommer im Stift St. Florian in Oberösterreich war, dem Ort der ersten Grablegung des Hl Florian, und euch zusammen mit unserm Bischof einen kurzen Gruß geschickt habe, ist mir ganz deutlich geworden, wo die Wurzeln seiner Hilfsbereitschaft liegen. Florian war eigentlich schon als Kanzleivorstand des römischen Statthalters in der Provinz Ufernoricum in Pension, als er im Jahr 304 einer Gruppe verfolgter Christen in ihrer Not beistehen wollte und damit selbst zur Zielscheibe der Verfolgung wurde. Nur wenig später wurde er somit selbst verurteilt und getötet.
Wenn man sich von dieser Person des Hl. Florian treffen lässt, wird vieles deutlich:
Wer bei der Feuerwehr ist, kennt keinen Ruhestand. Ob in Pension oder nicht, ob gelegen oder ungelegen, ob harmlos oder brandgefährlich, wenn andere Menschen in Not sind, sind Florianijünger zur Stelle. Ein Anruf genügt. Rund um die Uhr, zu jeder Tages- und Nachtzeit, und an 7 Tagen die Woche, das ganze Jahr. Wenn du in Not bist, Anruf genügt.
Wenn bei uns der Pipser oder die Sirene geht, ist das kein Anlass für lange Überlegungen, ob es dir jetzt gerade gut einipaßt, auszurücken. Im gleichen Moment lässt du einfach alles stehen und liegen und springst. Menschen in Not sind kein Diskussionsvorschlag, sondern brauchen tatkräftige und kompetente Hilfe. Und das möglichst schnell.
Die tiefste Wurzel dieser Hilfsbereitschaft offenbart uns der Hl. Florian: es ist die bedingungslose Hilfsbereitschaft Gottes, die durch unser Tun spricht. Und genau mit diesem Gedanken sind wir mitten im heutigen Evangelium. Jesus sagt: „Ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll.“
Gottes Beistand braucht menschliche Hände, unsre Hände. Denn die sind da. 24 Stunden, 7 Tage, das ganze Jahr. Gottes Beistand für Notleidende wird so für Menschen erlebbar. Auch durch uns.

Und noch ein Satz des heutigen Evangelium springt mir im Blick auf euch Feuerwehrkameraden ins Auge: „Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen“, sagt Jesus. Waisenkinder, das sind Kinder, die selber vollkommen auf die Hilfe und Sorge anderer angewiesen sind, aber niemand mehr haben. Ohnmächtig der Not ausgeliefert. Und genau so lässt uns Jesus nicht zurück.
Dieser Satz gilt aber auch für uns als Helfer. Die beste Ausrüstung, die beste Ausbildung, die größte Motivation und die beste Kameradschaft langen nicht. Wer von uns kennt nicht die Momente nach dem Einsatz, in denen dir bewusst wird, dass noch ein ganz anderer seine Hand über dich gehalten und auf dich gelegt hat. Wer von uns kennt sie nicht, die Momente nach dem Einsatz, wo dir bewusst wird, dass da doch noch eine bis zum letzten Moment unbekannte Gefahr geschlummert hat, die keiner von uns auch nur erahnen konnte, dass es z.B. verbotener Weise Gasflaschen oder Benzinkanister in unmittelbarer Brandnähe gab, von denen niemand wusste, und Gott sei Dank ist dennoch nichts passiert.
„Ich lasse euch nicht als Waisen zurück“ – sagt Jesus. Ich bin bei euch. Ich selber rückte mit euch aus. Und ich selber schenke euch den Geist der Kameradschaft, der euch zusammenhält und euch so miteinander verbindet, dass ihr wie ein Mann seid.

Beides, die bedingungslose Hilfsbereitschaft des Hl. Florian und seiner Jünger für jeden Menschen in Not wie die Zusage Jesu, uns nicht als Waisen zurückzulassen, beides ist Grund genug, wirklich voll Dankbarkeit und mit ergriffenem Herzen Florianimesse zu feiern…


Floriani 2009 (Anno Schulte - Herbrüggen)

Liebe Kameraden aus Rum und Neu Arzl, liebe Vertreter der Gemeinde Rum und der Stadt Innsbruck, liebe Musiker, liebe Pfarrgemeinde,

also ein gewisses Schmunzeln kann ich mir heute bei diesem Evangelium nicht verkneifen. Ich weiß nicht, wie es euch gegangen ist bei dem Satz: „Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind.“
Also wenn ich heute hier heroben im FoRum stehe, um mit euch Floriani zu feiern, seid ihr Neu Arzler Kameraden zum ersten Mal mit dabei. Schafe aus einem andern Stall. Und doch die gleichen Schafe. Kameraden mit dem gleichen Stallgeruch. Mit dem gleichen Stallgeruch der Hilfsbereitschaft. Wenn ich es recht bedenke, ist es letztlich der gleiche Stallgeruch des guten Hirten selber, der uns eint.
„Der gute Hirte gibt sein Leben hin für die Schafe“ – so heißt es im heutigen Evangelium. Mein Leben einsetzen für den, der in Not ist, diesen Stallgeruch des guten Hirten tragen wir gemeinsam an uns.
„Der gute Hirte gibt sein Leben hin für die Schafe“ – da braucht es zunächst ein paar klärende Worte: Ziel von uns als Florianijünger ist es genau nicht, unser Leben hinzugeben, Ziel ist es nicht so in einen Einsatz zu gehen, dass ich dabei mein eigenes Leben verleire, sondern Ziel ist es, so zu helfen, dass ich zugleich mein eigenes Leben wie das des Notleidenden bewahre. Das ist das Ziel.
Und dennoch, jeder von uns weiß, dass jeder Einsatz auch Risiken mit sich bringt; das fängt bei der Anfahrt an und geht über alle möglichen Gefahren am Einsatzort bis hin zum Einrücken. Manche Gefahren können wir mit kühlem Kopf, guter Ausbildung und stetem Üben minimieren. Andere bleiben unvermeidbar. Wir nehmen sie auf uns, bewusst, um genau dann hilfreich bei Menschen zu sein, wenn sie in Not sind. Und eben das ist der Stallgeruch des guten Hirten, dem was liegt an seinen Schafen.

Kein Feuerwehrmann/frau geht in den Einsatz und misstraut dabei seinen KameradInnen. Vertrauen und sich verlassen können, beides gehört genauso zu unserer Grundausrüstung wie Ausbildung und entsprechende Technik. Sich gegenseitig vertrauen, sich aufeinander verlassen können, das ist im Einsatz absolut notwendig.
Liebe Kameraden, mir kommt vor, das gilt nicht nur für den Einsatz; das gilt fürs Leben. Oder um es noch klarer zu sagen: das gilt auch für unsere Beziehung zu Gott.
Gott vertrauen und sich auf ihn verlassen, mir scheint das genauso notwendig wie das kameradschaftliche Vertrauen innerhalb der Feuerwehr. Wie viel Kraft ginge dir verloren, wenn dein Leben von grundsätzlichem Misstrauen geprägt wäre, und von permanenter Angst. Wie viel Kraft ginge dir im Leben verloren, wenn du meintest, alles selber machen zu müssen und wenn du nur ja auf keine Hilfe angewiesen sein wolltest. Ja, auch mit dem gegenseitigen Vertrauen tragen wir den Stallgeruch des guten Hirten an uns.

Und letztlich ist dieses Vertrauen auf Gott, ist unsere Bereitschaft, uns auf ihn zu verlassen ja mit der Grund, warum wir überhaupt heute hier zusammen sind. Denn in dieser Feier wollen wir Gott danken; danken für jede unfallfreie Übung und jeden gelungenen Einsatz; für jede Lebendbergung und jedes gesunde Heimkommen von uns. Danken für unsere Kameradschaft und alles Miteinander. Und bitten um seinen Segen.


Floriani 2010 (Anno Schulte - Herbrüggen)

Liebe Feuerwehrkameraden, liebe Freunde,
liebe Vertreter des öffentlichen Lebens aus Rum und Innsbruck,
liebe Pfarrgemeinde,
jeder Feuerwehrmann/frau, der/die in der Grundausbildung war, weiß sofort, was das bedeutet:
VERBRENNUNGSDREIECK AUFZEICHNEN
Das Verbrennungsdreieck. Es gehört zum grundlegendsten Wissen. Brennbares Material, Sauerstoff und Temperatur, wenn das Verhältnis zwischen diesen 3 Faktoren stimmt, dann brennt’s.
Einem Feuer das brennbare Material entziehen, ist bei einem Vollbrand wohl nur kaum möglich. Aber den Sauerstoff entziehen, oder die ganze Sache runterkühlen, das geht.
Das Verbrennungsdreieck gilt aber nicht nur, wenn’s buchstäblich brennt. Wenn ich in die heutige Lesung hineinhöre, dann brennt’s da auch. Da sieht jemand voll Freude den Himmel offen, und die andern sind so von Ablehnung aufge-heizt, dass sie sich die Ohren zuhalten und wie blind gegen ihn losstürmen. Und sie geben keine Ruhe, bis der Störenfried mit Stumpf und Stil ausgelöscht ist.
Das Verbrennungsdreieck gilt nicht nur beim Feuer, es sagt uns was in unserm menschlichen Miteinander. Es ist ein stimmiges Bild für unsere Beziehungen. Wenn wir lange genug jemandem einheizen, wird er heiß laufen und explodie-ren; das ist nun mal so. Potenziell brennbares Material ist also jedeR von uns. Das können wir nicht entziehen.
Was wir aber beeinflussen können, ist die Temperatur, mit der wir miteinander umgehen. Wer allerweil gegen andere stichelt und schürt, steigert die Tempera-tur unerträglich, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis es durchzündet. Temperatur herausnehmen, das Gemüt runterkühlen, mir selber so viel Zeit geben, bis ich das, was ich zu sagen habe, dem andern in Ruhe sagen kann und in einer Form, bei der er trotz vielleicht notwendiger Kritik auch meine Achtung und mein Wohlwollen spürt, Temperatur rausnehmen und Gemüt runterkühlen, wenn wir darauf achten, wird das Miteinander nicht in den Flammen zerstört.
Und Sauerstoff entziehen. Wer einerseits das, was hinten herum geredet wird, zu wichtig nimmt, und wer anderseits das ganze vielleicht auch noch durch das eigene Mitreden verstärkt und ausweitet, fächert einem Schwelbrand noch fest Sauerstoff zu. Manches getrost auch überhören und nicht reagieren, und allemal nicht durch’s eigene Mitreden verstärken, wer so tut, entzieht dem drohenden Feuer Sauerstoff.
Und ganz nebenbei: wenn ich dieses Symbol des Verbrennungsdreiecks …
->Gemeinschaft von Gott, Miteinander bei Gott…
Stefanus ließ sich vom Hass seiner Freunde nicht anstecken. Und Florian lies sich von den Drohungen der Römern nicht einschüchtern. Beide beleuchten etwas vom Wesen des guten Feuerwehrkameraden. Beim heurigen Florianifest sehe ich beide, Stefanus und Florian, Arm in Arm gehen; was für ein Bild für eine Feier, bei der zwei Wehren aus zwei Bezirken eines SRs zusammenkommen…


Segnung neues Feuerwehrhaus der FF Arnbach (Anno Schulte - Herbrüggen)

Liebe festliche Gemeinde,
heute gibt’s wirklich Grund zur Freude. Und ich denke dass jeder, der hier sitzt oder steht, wirklich a große Freud hat. Für a Dörfl wie Arnbach ist diese Halle ein Jahrhundertwerk. Und es ist euch gelungen, den einzigen Moment, wo die Realisierung eines solchen Mega-Projekts möglich war, zu nutzen. Inzwischen ginge das wohl kaum mehr. Gratuliere.
Viele haben da zuammengeholfen: die Agrar mit dem Gratis-Grund, das Land Tirol und die Gemeinde Sillian mit den notwendigen finanziellen Mitteln. Allen Beteiligten einen ganz herzlichen Dank.
Ein wenig muss ich ja schmunzeln, dass das morgige Sonntagsevangelium zufällig davon spricht, sich mit Hilfe des Geldes Freunde zu machen. Fremden Geldes. Wenn Agrar, Land und Gemeinde hier zusammenlegen, dann passiert genau das: sie setzen fremdes Geld zum Wohl und zur Freude von andern Menschen ein. Danke, dass ihr das euch anvertraute, fremde Geld so eingesetzt habt.
Und Dank ist wohl auch das Stichwort, warum ihr mich heute hier zur Festmesse eingeladen habt. Messfeier, Eucharistie, d.h. Dank-Sagen. Gott Dank sagen. Und ihn um seinen Segen bitten.
Ich hab mich gefragt, wie man eine solche Segensbitte wohl am besten in unsere Feuerwehrsprache übersetzen könnte. Und da ist mir ein Ausrüstungsstück in den Sinn gekommen.
-> Stützkrümmer holen

Ein Stützkrümmer. Je größer der druck am Schlauch und am Strahlrohr wird, je mehr stützt der Krümmer ab und spielt uns frei. Männer, die sonst zum heben und sichern gebunden werden, werden frei gespielt.
Wenn wir heute Gott um seinen Segen bitten, machen wir uns bewusst, wie notwendig wir ihn in unserer Arbeit brauchen. Gott als Stützkrümmer: je größer der Druck im Einsatz wird, je mehr fängt er ab, gibt Halt und Sicherheit, und spielt uns frei, nach Kräften das unsere Beizutragen. Denn Druck ableiten können, einen haben, der den Druck aufnimmt, der Sicherheit gibt, und der uns dadurch frei spielt, das Unsere beizutragen. Um diesen Segen Gottes wollen wir von Herzen bitten. Den brauchen wir.

Doch erlaubt mir noch einen zweiten Gedanken. Mich fasziniert, mit welchem Weitblick, und welchem Gefühl für das Wesentliche ihr diese neue Feuerwehrhalle gebaut habt. Und dabei denke ich jetzt grad nicht an die nützlichen Dinge wie Wasser und Kloanlagen im Haus und ausreichend Raum für die Mannschaft. Nein, jetzt grad denke ich an den wunderschönen Kameradschaftsraum. Mich fasziniert, dass die Feuerwehr der Ort ist, wo sich alle Vereine und Gruppen von Arnbach nunmehr versammeln können. Denn damit wird eine weitere Aufgabe der Feuerwehr sichtbar: Gemeinschaft stiften, und Menschen im umfassendsten Sinn des Wortes helfen. Doll, wenn diese neue Halle einen solchen Dienst für das Dorf leisten kann.
Gott zur Ehr – dem Nächsten zur Wehr – und zur Freud!

 


RUF-BEREITSCHAFT (Elemente für eine Predigt von LFKur Dr. Ferdinand Reisinger zum Fest des HL. FLORIAN (4.Mai (2011)):

„Sich gut motiviert den Nöten stellen....“

1. Inmitten von viel Gutem – die Allgegenwart von Nöten....
Es gibt viele Anstrengungen, um das Leben auf dieser Welt besser, humaner und verträglicher zu machen. Der gute Wille und auch der professionelle Einsatz von Männern und Frauen in der Politik, in den Sozialeinrichtungen, in Bildung und Erziehung dürfen nicht übersehen werden, sie wollen und sollen gesehen und bedankt sein. Es gibt Fortschritte zum Guten und Besseren und einen Abbau von unheilvollen Lebensbedingungen.

Aber bei aller Euphorie und bei allem gesunden Optimismus darf nicht übersehen werden, dass es auch Schattenzonen des Daseins gibt. Und es zeigt sich Tag um Tag neu, daß es Zeitgenossen gibt, denen wenig oder kein Glück beschieden ist, die vielmehr immer wieder und bisweilen recht langfristig von Schicksalsschlägen, Nöten, Sorgen und Angst heimgesucht werden. Bei manchen fehlt das Talent, das Dasein erfolgreicher zu gestalten. Und vielfach gibt es unverschuldetes Leid, ja Ereignisse, die man nur mehr als Katastrophen bezeichnen kann.

Wie viel Aufmerksamkeit, Sensibilität und Hilfsbereitschaft für die Be- und Getroffenen gibt es bei denen, wo (fast) alles „gut läuft ?

Es ist schon verstehbar, dasss wir der Not zunächst ausweichen wollen, - und dass uns Angst überkommt, wenn wir mitansehen müssen, was es an Unheil gibt. Wir wenden den Blick schnell weg und wollen sogleich vergessen(machen), was uns an Herz und Seele angekratzt hat.

Wir wünschen uns ein problemfreies Leben; erhoffen uns ein Dasein in der Idylle. Freilich: Die Wirklichkeit spielt nicht so. Viele sind von diesem Schwelgen-Können ausgeschlossen, ja sogar von derartigen Träumen. Ihre Not, die Verzweiflung und ihre Hoffnungslosigkeit, ihre Klagen und die (oft stummen) Hilfeschreie dringen nicht wirklich an die Ohren der Wohlstandsbürger..

Täglich werden uns durch die Bild- und Printmedien Katastrophen- und Elendsberichte vor Augen gestellt. Wirklich miterleben tun es aber dann nur jene, die berufsmäßig oder freiwillig als Rettungs- und Katastropheneinsatzkräfte vor Ort sind: als Ärzte oder Polizisten, als Sanitäter oder Feuerwehrleute!

Dass sie soviel Bereitschaft und Mut aufbringen, ist alles andere als selbstverständlich! Sie brauchen dazu immer wieder auch Begleitung und einen neuen Motivationsschub ! Um einen solchengeht es, wenn wir uns – anläßlich des Florians-Festes - Gedanken zum „Helfen in der Not“ machen.....

2.    Glaube als „Schule des Sehens“
und als „Sensibilisierung zu guten Tat“.
Gemeinsam der Not entgegentreten: Das wollen so manche. Aber dafür ist auch eine entsprechende „Schulung“ notwendig!
Wer sich in die Spur und in die Schule Jesu begeben hat, muß damit rechnen, daß dieser Lehrer uns ein neues Begreifen und Verstehen beibringen will. Er hat es drauf abgesehen, die Augen zu öffnen, die Herzen zu mobilisieren. Er will vom bloßen Betroffensein weg- und weiterführen. Und er will bereitmachen zu einer Entscheidung:

Begleiten wir ihn auf seinem Weg des öffentlichen Wirkens: Anfangs war seine Predigt (gemäß dem Evangelisten Matthäus) ein Zu-Spruch, eine Einladung (Mth 5: Seligpreisungen der Bergpredigt). Dann folgt aber bald eine Schock-Therapie (die sog. Antithesen: „Ich aber sage euch...!“). Wenig später kommen die demaskierenden Gleichnisse, bei denen die erste Reaktion lautet: „Das macht doch kein Mensch (so)!“. Und er verblüfft durch sein oft unorthodoxes Heilshandeln, das die Menschen als „Wunder“ erleben. Schlußendlich malt Jesus vor den Augen der Seinen ein Panoramabild mit aller Schärfe und mit allen erschreckenden Kontrasten: in der sogenannten Gerichtsrede (Mth 25).

Nach dem Aufnehmen dieser Botschaft gibt es eigentlich kein Ausweichen mehr, kein Sich-Entschuldigen, auch kein Flüchten. Das Augen-Abwenden, Ohren-Zuhalten, Hände-Heraushalten ist nicht mehr möglich. Die einzige plausible Reaktion muß sein: „Leute, es gibt zu tun!“; laufen, zupacken, helfen !

Nehmen wir dieses Bild, diese Szenen genauer unter die Lupe:

Zweimal läßt Jesus die Notleidenden (gleichlautend) vor unsern Augen aufmarschieren: Die Elendsgestalten, die gequält sind von Hunger und Durst; jene die ohne Kleider sind und ohne Identitätsausweise (Asylanten);  die Kranken und die Gefangenen blicken uns an, und auch die einsamst Verstorbenen...

Und unsere Reaktion möchte wieder sein: Augen schließen, Ohren zuhalte, und nicht drüber reden.... Schon beginnen wieder der Erklärungs- und Entschuldigungsmechanismen: Das sind ja nur Einzelfälle. Und in unserm Sozialstaat ist doch vorgesorgt; niemand fällt bei uns durch den Rost; alle bekommen zu essen. Außerdem: Es braucht professionelle Hilfe (für die Kranken). Und das Schubladendenken mischt sich ein: Die Fremdlinge und Asylanten sind ja nur Wirtschaftsflüchtlinge. Und die Gefangenen sitzen zurecht im Knast; sie haben Kriminelles am Kerbholz. Sie gehören weggesperrt und müssen dort ihre verdiente Strafe abzubüßen..... ! 

Wir haben uns angewöhnt, das Notfalls-Szenario als einen Sach-Verhalt zu behandeln und zu verrechnen. Und irgendwie werden alle „Fälle“ einer Hilfsinstanz zugewiesen. Dann wird sich das Problem schon irgendwie lösen... Wo kämen wir denn hin, wenn wir die Notfälle als Schicksal von Individuen ansehen würden, wenn die Augen der Notleidenden immer konkret auf uns gerichtet wären!!!

Solche Reaktions- und Verhaltensweise ist nicht nur die Kehrseite unserer Wohlstandsgesellschaft. Auch die Jünger Jesu wollten die am Straßenrand um Hilfe Schreienden abschieben und mundtot machen. Jesus aber erteilt solchem Reagieren (Mk 10, 46-52) eine deutliche Absage: Er fordert den Blinden Bartimäus auf näher zu kommen. Er richtet die in sich gekrümmte und verbitterte Frau auf: Er wendet genau diesen Leuten zu, öffnet sein Herz für sie, zeigt Mit-Leid. Aber dabei läßt er es nicht bewenden. Er ermöglicht und gibt eine Chance zur Rückkehr in die Menschengemeinschaft. Er durchbricht die Mechanismen des Ausschliessens und setzt Schritte zur Integration in den Gemeinschaftsverband.

3.    Das Ziel der (freiwilligen) Feuerwehren: Gemeinsam der Not entgegentreten!
Gott sei Dank gibt es zu allen Zeiten einzelne Menschen, aber auch Gruppen und Organisationen, die nicht lang zögern, die aufspringen und zugreifen, wo eine Not sie anschreit. Manchmal ist es der „Stumme Schrei“ des „Nachbarn in Not“; oft sind es aber auch katastrophale Ereignisse, die (ganz) viele in Mitleidenschaft ziehen!

Die Feuerwehren gehören (unterdessen weltweit) zu den Einrichtungen, die ihr Einsatzfeld dort sehen, wo elementare Nöte die Existenz von Mitmenschen bedrohen oder schon zerstört haben, wo Feuer oder Wasser und dergleichen Hab und Gut ruinierten, und damit auch alle Zuversicht der Getroffenen....

„Retten, löschen, bergen, schützen,!“ Diese Imperative kennt jedes Mitglied der Feuerwehren. Damit gibt es auch eine sinnvolle Reihenfolge; zuerst sind die Menschen zu retten, sodann folgt das Löschen dessen, was noch weiterhin Unheil anrichtet; danach ist zu bergen und zu schützen, was noch heil ist.

Die Feuerwehren sind eine geschätzte und gute Organisation, eine mit modernem technischem Gerät ausgestattete Hilfstruppe. Die Feuerwehrmänner, genau so aber auch die –frauen und –jugendlichen werden konsequent ausgebildet, erprobt und motiviert. Nicht nur die Kommandanten und die Jugendbetreuer leisten dabei das Ihre; auch die Feuerwehr-Kuraten wollen sich als Kameraden zeigen und bewähren. Das Wort Kamerad bedeutet eigentlich: Stubenkollege; so wollen auch sie „dasein und begleiten“. Sie können von der Bibel her argumentieren; sie können auf leuchtende Vorbilder im Gang der Geschichte hinweisen, die auf plötzlich auftretende Nöte spontan reagiert haben, und die Mutmacher waren für die andern, die von den Ereignissen massiv gefordert wurden. Der heilige Florian – fast überall als Patron der Feuerwehren verehrt – galt und gilt landläufig als „Not-Helfer“, der einfach „zugegen ist, wenn es irgendwo brennt“ (im wörtlichen und im übertragenen Sinn).

4. Solidarischer Beistand
Jesu Beispiel für solidarisches Verhalten hat in der frühen Kirche gezündet; Beistand und Hilfsbereitschaft wurden zu einem Marken- und Gütesiegel der ersten Christen: „Seht, wie sie einander lieben!“ Und die Fürsorge und Caritas reichte nicht nur bis zu den Glaubensbrüdern und –schwestern: Alle verkauften was sie hatten und brachten den Erlös für die Gemeinschaftskasse; das war die Basis zu einer gerechter strukturierten Gemeinschaft, in der „es keinen gab, der Not leiden mußte“ (Apg 4,32).

Die Herausforderung, die Jesus zumutet, geht nicht zuerst aufs Äußere, also nicht auf ein „kaltes Teilen“. Es geht um Erziehung zur Warm-Herzigkeit, und damit zu barm-herzigen Denken und Handeln: Den „Geringsten“ unter allen, dh auch: den Elendsten, Unsympathischsten, möglicherweise auch durch Eigenverschulden Gestrandeten gilt es zu beachten, und in ihm Jesus selber zu entdecken ! Das zu verstehen mag ein Prozeß in unserm Innern sein, der einem Herz und umdrehen Magen kann (oder muß).... Aber wirkliche Nachfolge Jesu ist billiger nicht zu haben.....

Im Gang der Kirchengeschichte haben uns die großen „Heiligen der Caritas“ (wie Martin, Elisabeth und viele andere) immer wieder gelehrt, was Helfen konkret heißt;  (und alle großen Heiligen war selbstverständlich auch caritative und diakonische Männer oder Frauen). Sie waren es nicht nur im Wort, sondern auch in ihrem Lebens-Beispiel. Sie haben mit ganzem Herzen und ohne Rücksicht auf Verluste (zB der eigenen Gesundheit) zugelangt. Sie haben im Dienst der „Notfallshilfe“ Bewegungen und Gemeinschaften (Orden) organisiert und „Werke“ auf die Beine gestellt, noch lange ehe es öffentliche oder staatliche Fürsorge gegebenen hat. „Werke der Barmherzigkeit“ hat man das im Lauf der Zeit genannt. Was ist damit gemeint? Es ist nichts anderes als die Auflistung dessen, was wir aus dem Mth-Evangelium gehört haben:

Die (sogenannten)
„leiblichen Werke der Barmherzigkeit“ sind:
„Den Hungernden zu essen geben,
den Durstigen zu trinken geben,
die Fremden und Obdachlosen beherbergen,
die Nackten bekleiden,
die Kranken besuchen,
die Gefangenen befreien,
(die Toten bestatten)“.


Dazu entwickelte sich auch ein zweiter Katalog,
die (sogenannten)
„Geistlichen Werke der Barmherzigkeit“,
nämlich:
„die Unwissenden lehren,
die Zweifelnden beraten,
die Trauernden trösten,
die Sünder zurechtweisen,
den Beleidigern gern verzeihen,
die Lästigen geduldig ertragen,
für die Lebenden und Verstorbenen beten“.


In früheren Jahrhunderten waren auf vielen kirchlichen Gebäuden, auf Krankenhäusern und Siechenheimen diese „Werke“ auch bildlich dargestellt, den vorbeikommenden Wohlsituierten zur Mahnung, den Geschlagenen und Verzweifelten zum Trost. Sinnsprüche haben zum Nachdenklichwerden aufgerufen, zur spontanen Hilfe, oder wenigstens zum Griff in den Geldbeutel!
 
Es würde auch unserer Zeit gut anstehen, die aktuellen Nöte so aufrüttelnd zu präsentieren, daß uns die Augen (und mehr noch die Herzen) aufgehen! All zu viel Not wird ignoriert, tabuisiert, schöngeredet; und sie besteht doch noch genau so wie früher!

Wir brauchen keine Kirche, die sich Caritas und Diakonie nur als Alibi (und zur Imagepflege in turbulenten Zeiten) vornimmt. Wir brauchen ChristInnen,  die „um der (konkreten) Menschen willen...“ zugreifen: (vgl. das gleichlautende Jahresmotto (2010/11) der Diözese Linz). Dafür müssen die Kirchen notwendigerweise auch „Augen- und Herzenspflege“ betreiben; -  und bei den Notleidenden wirklich ihren Dienst tun. Sie kann sich nicht „die Hände in Unschuld waschen“. Sie muß zulangen; denn „es gibt zu tun „! Bischof Jean Gaillot hat zurecht gesagt:  „Eine Kirche, die nicht dem Leben dient, verdient nicht zu leben !“ Die klassischen Werke sind immer noch aktuell; neue sind gefordert!
 
All zu selbstverständlich sagen wir heute, daß durch Wohlfahrtseinrichtungen, durch Medizin, Pharmazie und Technik ein Großteil der Übel von Massenelend behoben oder wenigstens behebbar sei. Überall dort, wo das wirklich der Fall ist, dürfen wir dankbar sein. Selbstverständlich ist das alles nicht. Hunger ist (neben den Kriegen) auch in unseren Tagen die größte Menschheitsplage; nicht weniger die Tatsache, daß nicht für alle genug Trinkwasser zur Verfügung steht.

Jean Ziegler, der Schweizer Soziologe und Journalist, hat mit seinem Buch „Wie kommt der Hunger in die Welt? Ein Gespräch mit meinem Sohn“ (München 2002) ein eingängiges und verständliches Plädoyer vorgelegt: Er muß seinem Sohn zu dieser Frage Rede und Antwort stehen ! Eine not-wendige Lektüre, für Eltern samt Kindern.

Zu jedem der klassischen „Werke der Barmherzigkeit“ gibt es Beispiele für das Heute. Manches muß auf die jetzigen Bedingungen übersetzt werden. Wir können nicht einfach sagen: Wir befreien Gefangene (und stürmen dazu ein Gefängnis). Oder: Wir lösen kurzerhand alle Asylantenprobleme; alle sollen bei uns bleiben dürfen... Aber Kranken Zeit zu schenken ist allemal auch heute möglich. Und Phantasie zu entwickeln, wie Gestrauchelte, Schuldiggewordene nach ihrer Haftstrafe wieder eine Chance bekommen können, wie sie in der Gesellschaft akzeptiert und nicht geächtet sein können: das ist eine mehr als akute Herausforderung!

5. Zum Helfen bereit, - wenn ich mir auch helfen lasse
Menschen von heute, zumal solche, die sich als Christen verstehen, müssen sich dadurch ausweisen, bekennen und bewähren, daß sie an einer Atmosphäre mitarbeiten, in der Not nicht einfach Schicksal ist, sondern ein „menschliches Problem“, dh eine zu lösende Aufgabe ! Wir stehen nicht allein da im Kampf gegen die „Plagen der Menschheit“. Und wir müssen unsere Leistungen und Erfolge nicht mit geschwellter Brust vor uns hertragen (nach dem Motto: „Tue Gutes und red möglichst viel davon“; dieser Slogan ist nicht gerade im Sinn Jesu! (Mth 6, 1-4)).
Anderseits: Verstecken brauchen wir uns mit dem Engagement im Sinn von „christlicher Caritas“ auch nicht (im Großen wie im Kleinen). Aber wir müssen wissen: Jede Minute verrecken tausende Hungernde, sterben Kranke ungetröstet, verzweifeln Schuldige und Unschuldige in den Gefängnissen, müssen redliche Asylwerber den Fremdenhass verspüren.... Wir haben Mitverantwortung für das Klima in unserer Gesellschaft, für das Solidarbewußtsein.

Helfen ist dann eine „runde Sache“, wenn die Helfer gelernt haben, sich auch selbst helfen zu lassen. „Stressverarbeitung nach belastenden Einsätzen“ (SvE) ist kein Zugeständnis, damit sich Schwächlinge wieder erfangen können. Es ist verantwortliche Zurüstung zu neuerlicher Einsatzbereitschaft.
Dienst in der Feuerwehr darf also keine engstirnige Sache sein. Es braucht auch den Blick auf all die anderen, die mit uns ihre Bereitschaft zum Einsatz unter Beweis stellen. Es braucht die Befähigung, ohne Konkurrenzneid zusammenzustehen, Hand in Hand zu arbeiten, „...um der Menschen willen, die in Not geraten sind...“
Drum sollen wir auch auf die Zukunft schauen. Es darf uns nicht egal sein, wenn die „Egomanie“ zunimmt.  Es soll uns ein Anliegen sein, dass auch die nächste Generation die „Sieben Werke der Barmherzigkeit“ noch kennt !!
Jesus hat uns mit deutlichen Worten zu Herzen und ins Gewissen geredet: Ist uns seine Gerichtsrede Jesu noch immer nicht genug Lehre: „Was ihr diesen Geringsten nicht getan habt, das habt ihr mir nicht getan...“?  
Die Konsequenz müßte heißen: „Leute, es gibt zu tun! Und zwar gleich !...“

 

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